Wissenswertes

Der Keuschenhof ist ein Fachwerk-Dreiflügelhof aus dem 18. Jahrhundert. Eine Inschrift verweist auf das Jahr 1716 als ursprüngliches Baujahr.

Hinsichtlich der ursprünglichen Nutzung gibt es mehrere Legenden. So wird aufgrund des Namens eine klösterliche Nutzung oder die frühere Existenz einer Armenküche vermutet. Auch wird eine Verbindung mit der Ulrichkirche durch einen unterirdischen Gang vermutet. Eine bäuerliche Nutzung ist jedoch angesichts der Bauweise am wahrscheinlichsten und auch für das 20. Jahrhundert belegt. Hieran erinnert noch das Fundament einer Butterzentrifuge.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das ursprüngliche Fachwerkhaus mit Backsteinen erweitert und teilweise ummauert, sowie das verbleibende Fachwerk des Hauptgebäudes zur Hofseite verputzt. Der frühere Lehmfußboden wurde um 1910 durch Fliesen ersetzt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente der Keuschenhof als Wohngebäude. Im Jahr 1995 wurde der Keuschenhof unter Denkmalschutz gestellt. In den späten 1990er Jahren wurde er restauriert und das Fachwerk wieder freigelegt. Seitdem dient der Keuschenhof als Bürogebäude. 2012/2013 wurden Maßnahmen zur Barrierefreiheit sowie erneute Restaurierungsarbeiten durchgeführt.

Denkmal

Im folgenden wird beschrieben, was den Denkmalwert des Gebäudes ausmacht:

  • Straßenseitiger traufständiger Flügel mit dem Tor und der seitlichen, im Sturz original beschrifteten Schlupftür.
  • Traufständiger, zweigeschossiger, in vier Achsen aufgeteilter alter Wohnbau, der einem barocken Gebäude vorgeblendet wurde. Dieses barocke Gebäude ist als Fachwerkbau traufständig zur Hofseite drei Achsen aufgeteilt. Das Gebäude ist zweigeschossig, hat einen von der Hofseite aus mittleren Eingang in den offenen großen Herdraum.
  • Im Erdgeschoss wie auch im Obergeschoß sind die Kölner Balkendecken erhalten geblieben. Im Herdraum ein mächtiger Unterzug, der offene Kamin ist nicht mehr erhalten,  wohl aber die dicke, vorgemauerte Kaminwand.
  • Nach rechts zur Straße zwei nebeneinander liegende Räume, jeweils durch Türen mit Zugang zum Herdraum.
  • Im Herdraum vorne links die Spindeltreppe zum Obergeschoß, darunter der
  • Zugang zum rückwärtigen Kellerraum als quer zur Längsrichtung des Hauses gelagerte, etwas flachere Tonne. Am Ende der Tonne auf beiden Seiten jeweils Kellerluken, die zum Nachbarn hin zugemauert. Eine steile Bohlentreppe führt hinunter.
  • Zur linken Seite über dem Kellerbereich zwei weitere Räume nach hinten hinter dem linken Raum wie auch hinter dem Küchenraum eine schmale geteilte Abseite, die einerseits einen direkten Zugang zum Küchenraum hat und im linken Teil von dem hinteren linken Raum erschlossen wird.
  • Im Obergeschoß analog die Grundrißaufteilung, hier allerdings dann von der Hofseite ausgesehen in der rechten vorderen Ecke der Treppenlauf zum oberen Dachgeschoß. Im Obergeschoß auch breite Dielenböden.
  • Der Dachstuhl noch original., die Tonhohlpfannen mit Strohpuppen unterlegt. Auch ist der eigentlich winkelförmige Grundriß ablesbar, da bei der Abseite das Dach tiefer heruntergezogen ist.
  • Zur Hofaußenseite war  diese Gebäude in zweiten Hälfte des 20. Hahrhunderts mit Rabitz überspannt und verputzt worden. Das Fachwerkgerüst darunter, ehemals mit Lehmstaken, wurde nach 1996 wieder freigelegt.

Ehemalige Scheune

Den Hofabschluß bildete nach hinten ein vom Wohngebäude losgelöster Scheunenbau aus Fachwerk, der in seiner Konstruktion möglicherweise noch älter war als das Wohnhaus und zum Teil überputzt war. Balken aus der Scheune sind nur noch in den heutigen Carports erhalten.

Sämtliche drei Bauflügel waren zusammengehörig und stellen die älteste geschlossene, dreiflügelige Hofanlage dar, die sich in Sindorf in ursprünglicher Gestaltgebung bewahren konnte

Einen Eindruck über die übrigen historischen Bauten Sindorfs gewinnen Sie auf der Denkmalliste Kerpen-Sindorf auf Wikipedia.